»Ṣabāḥ heißt Morgenröte«#
Jemen – Reisebericht 1972-74#
Schruhl, Klaus-Dieter
Ṣabāḥ heißt Morgenröte
F. A. Brockhaus Verlag Leipzig
Wie das Buch in meine Hände gelangt ist, kann ich nicht mehr sagen, vielleicht hat mich das Foto vom Buchdeckel, der Titel »Ṣabāḥ heißt Morgenröte« oder beides inspiriert. Nun endlich gelesen, wo die DDR auch längst Geschichte ist. Warum hat die DDR damals Entwicklungshilfe geleistet, darauf geht der Autor nicht ein. Er war als Arzt geschickt worden und kam deshalb in sehr engen Kontakt zur Bevölkerung, wie es einem Touristen nicht möglich ist, und das macht die Schilderungen auch heute noch interessant, die sozialistische Idee und den Kampf der Befreiung aus der Kolonialzeit etwas außen vor gelassen. Ließt man die Geschichte in einem Wikipedia-Artikel, wird klar das Jemen, wie andere Länder, ein Spielball fremder kolonialer Mächte war und ist. Was aber hat der Arzt aus der DDR damals erlebt und für berichtenswert gehalten?
Es sind die klimatischen Herausforderungen für ihn, wie die Bewohner Jemens (Aden und Umgebung). Hinzukommen die Krankheiten, die durch die Armut und unzureichende hygienische Bedingungen, den Einwohnern das Leben schwer machen, dazu zählen die Cholera, Malaria, Bilharziose, Krankheiten die zum Erblinden führen und Lepra.
Weitere Themen sind die Beschneidung von Frauen und Männern sowie die Praktiken der Medizinmänner. Deren Kenntnisse von Heilkräutern erkennt er an, die Praxis, einen Schmerz dadurch zu bekämpfen, daß man ein heißes Eisen an die scherzende Stelle führt, kann er nichts Positives abgewinnen, findet bei seinen Patienten jedoch reichlich Narben dieser Behandlungsmethode.
Es gibt auch die Beschreibung zum Anbau und zum Genuß von Kat eine Hochzeit wird beschrieben und die Gepflogenheiten vor, während und nach einer Hochzeit geschildert, einschließlich der Scheidung, wenn es mit der Beziehung (Liebe) nicht so läuft, wie erwartet.
Heute erfahren wir aus dem Jemen nur noch Neuigkeiten, die mit den militärischen Konflikten der Huthi-Milizen, Al-Qaida-Ableger und den sie unterstützenden Staaten zusammenhängen. Ein Ende von Hunger und Armut dürfte auch weiterhin ein Ziel in weiter Ferne sein.
Wie die Berichte anderer Reisender, ist das Buch ein kurzer Sprung in Raum und Zeit, mit einer Nähe zu den Menschen des Jemen. Ich frage mich, inwieweit die Unterstützung durch andere Länder etwas bewirkt hat, wenn ein einziger gewaltsam geführter Konflikt alles wieder zunichtemacht?
Nachtrag: <2025-02-18 Di> Wie ich die Rezension vollendet habe, läuft im Radio ein Bericht zur Wahl (Deutschlandfunk: Bundestagswahl – Was aus Syrien und Jemen stammenden Erstwählern wichtig ist), in einen Interview berichtet ein junger Mann aus Jemen über seinen Werdegang in Deutschland, der nach 19 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten hat und keinen Drang verspürt, in sein vom Bürgerkrieg zerrüttetes Land zurückzukehren.