Ausgelesen – Sun Bear¶
Ausgelesen:¶
Sun Bear
Der Pfad der Kraft
Goldmann-Verlag 5. Auflage 1983
zur Person¶
Vincent LaDuke (* 1929; † 19. Juni 1992), auch Sun Bear genannt, war ein US-amerikanischer Autor und Gründer einer Gruppe innerhalb der New-Age-Bewegung. Er gehörte zu den Anishinabe und wuchs in der White Earth Indian Reservation im US-Bundesstaat Minnesota auf. LaDuke veröffentlichte mehrere Bücher mit Bezug auf indianische Spiritualität und gründete eine Gruppe namens Bear Tribe Medicine Society. [1]
Die Kritik auf Wikipedia ist nicht sehr schmeichelhaft und der Goldmann-Verlag hat den Text auch in die Rubrik »Esoterik« eingereiht.
Ich will hier einige Themen herausgreifen und zur Diskussion stellen. Ich will es auch mit einem zweiten Buch, das ich gerade noch lese in Beziehung setzen. Zu einem späteren Zeitpunkt wird es weitere Inhalten oder überarbeitete Anmerkungen geben.
Kommunen¶
Man kann wohl die Medizingesellschaft, historisch betrachtet, als Teil einer Bewegung einstufen, die nach alternativen Lebensentwürfen suchte. Hier ein Beispiel mit berühmten Prominenten:
1974 lebte in der »All One Farm-Kommune« in Oregon ein junger
College-Abbrecher namens Steve Jobs. Frisch zurück von seiner Reise
nach Indien, wo er durch Zen-Buddhismus Erleuchtung gesucht hatte,
pflegte Jobs den Apfelgarten (omg) der Kommune, den Whole Earth
Catalog in der Hand.
Jobs gelang es irgendwie, ein lockeres Hippie-Leben zu führen und
gleichzeitig für das Design von Computerchips für Atari bezahlt zu
werden. Von den höchsten Einnahmen aller Zeiten zu profitieren (alias
das Design von Computerchips für ein Unternehmen, das indirekt vom
amerikanischen Verteidigungsministerium finanziert wurde) und
gleichzeitig in einer freizügigen Kommune zu leben, ergibt eine
einzigartige kalifornische Ideologie.
All One Farm löste sich irgendwann um 1980 auf. Ihr Gründer, Robert
Friedland, wurde später ein milliardenschwerer Goldminenunternehmer.
Es zeigt sich, dass ein Leben in einer Kommune in den Zwanzigern
keineswegs ausschließt, später sein Geld mit dem Abbau von
Edelmetallen zu verdienen oder, wie im Fall von Jobs, das erste
Billionen-Dollar-Unternehmen der Welt zu gründen [2]_ .
Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)
Technologie ist nicht schlecht¶
Seite 35
Ich glaube nicht, daß die Technologie etwas Schlechtes ist; wenn ich
mit einer großen Zahl von Menschen in Verbindung treten will, nehme
ich das Telefon, oder bediene mich eines Computers, oder ich teile
mich über einen Rundfunk- oder Fernsehsender mit. Die Technologie an
sich ist nicht schlecht; schlecht sind die Habgier und die Irrungen
ihrer Benutzer.
Liebesleben¶
Sun Bear war inhaftiert und berichtet über die Begegnung mit einer Frau. Das Sexuelle wird in dem zweiten Buch eine wichtige Rolle spielen und im krassen Gegensatz zu der folgenden Schildrung stehen.
Seite 84/85
Nach meiner Freilassung wurde ich nach Reno zurückgeflogen. Meine
indianischen Brüder und Schwestern holten mich vom Flugzeug ab, und
wir feierten ein rauschendes Fest. Ein traditionelles Mahl erwartete
mich, dazu ein riesiger Kuchen mit der Aufschrift »Willkommen zu
Hause, Sun Bear« . Ich kann Dir sagen, nie zuvor hat mir Essen so gut
geschmeckt, noch nie waren die Frauen so schön gewesen. Eingeschlossen
und so lange Zeit nur von männlicher Energie umgeben, hatte ich das
Gefühl gehabt, mich nicht im Gleichgewicht zu befinden. Wenn männliche
und weibliche Energie nicht verschmelzen, kann die Lebenskraft nicht
so stark pulsieren. Ich genoß es, mein gewohntes Leben wieder
aufnehmen zu können, von den guten weiblichen Schwingungen umgeben zu
sein, aber es gab eine Frau, nach der ich mich mehr sehnte als nach
allen anderen. Sobald ich mich von dem Fest losreißen konnte, fuhr ich
in die Wüste. Es herrschte Vollmond, und die Luft war sehr klar. Welch
eine vollkommene Szenerie für eine Wiedervereinigung' dachte ich bei
mir. Ich stieg aus dem Wagen. Ich befand mich in einem abgelegenen
Hügelland, der Boden war üppig gut Salbei bewachsen. Ich zog mich
nackt aus, dann brachte ich ein Pfeifenopfer dar und pflückte
frischen, stark duftenden Salbei. Ich rieb mich von Kopf bis Fuß damit
ein und betete, daß seine reinigende Kraft alle negativen Energien,
mit denen das Gefängnis mich erfüllt hatte, von mir nehmen würde. Ich
spürte, wie das Schlechte aus mir herausströmte und mein Gleichgewicht
wieder hergestellt wurde. Jetzt hatte ich das Gefühl, rein genug zu
sein, um dieser besonderen Frau entgegenzutreten. Ich legte mich auf
sie nieder und sog ihren süßen, erdigen Duft in mich ein. Dann nahm
ich einige Krumen von ihr und rieb mich damit ein; erst jetzt wußte
ich, daß mein Gleichgewicht vollkommen wiederhergestellt war. Ich
dankte der Mutter Erde für ihre Schönheit und Herrlichkeit. Ich blieb
bis zum Sonnenaufgang bei ihr in der Wüste. Als Vater Sonne am Morgen
über den schönen, gewaltigen, freien Bergen von Nevada aufstieg,
schickte ich meine Gebete zum Großen Geist und bat darum, daß ich der
Liebe und Unterstützung, die mir die Erde und mein Volk gezeigt
hatten, würdig sein möge.
Arbeit und Vergnügen¶
Seite 164/165
Wenn es auch zeitweise den Anschein hatte, als könnte ich 100000
Mitglieder für unseren Stamm gewinnen, war das doch nicht mein
Anliegen. Meine Vision sagte mir, daß es meine Aufgabe war, Menschen
aller gesellschaftlichen Schichten zu lehren, ihnen das Wissen zu
vermitteln, daß die Auswüchse der Technologie in Kürze zur Katastrophe
führen mußten. Ich hatte das Bedürfnis, den Menschen zu erklären, daß,
wollten sie die kommende Reinigung der Erde überleben und an der neuen
Erde teilhaben, sie ihre eigenen, ganz persönlichen Bindungen zur
Natur wiederherstellen mußten.In dem Maße, in dem der Stamm wuchs,
wuchsen auch unsere Probleme. Es gab Leute, die offensichtlich in der
Lage waren, Lippenbekenntnisse abzulegen für das, was die Vision
beinhaltete, deren Herzen aber nicht hinter ihren Lippen
standen. Einige übernahmen viel Verantwortung, andere wiederum
wünschten sich ein vorgefertigtes Utopia, an dem sie nur wenig
arbeiten mußten. Wir erlaubten den Stammesmitgliedern zwar, Marihuana
zu nehmen, das wir »Medizingras« nannten, ließen aber keine anderen
Drogen zu. Heute verbieten wir auch den Gebraucg von Marihuana. Einige
der Menschen, die zu uns kamen' waren unfähig, ihre Abhängigkeit von
anderen Drogen ju überwinden. Die Drogenfrage entwickelte sich zu
einem unserer größten Probleme [...]
Ich hatte einen so unerschütterlichen Glauben
an den Stamm, daß ich alles, was ich gespart hatte, zu seiner
Unterstützung verwendete. Ich verkaufte sogar einige der Wohnwagen in
Reno, um Geld zu beschaffen, als es benötigt wurde. Ich kaufte
Nahrungsmittel und Schlafsäcke, manchmal für Leute, die einfach
deshalb keinen besaßen, weil sie vergessen hatten, wo sie ihn gelassen
hatten. Ich reparierte Autos, kaufte Benzin, zahlte für Briefmarken
und Telefonanrufe. Es waren einige unter uns, die ihr Geld in den
Unterhalt des Stammes steckten. Nimimosha erklärte sich sogar bereit,
einen Großteil ihrer Zeit in Reno zu verbringen und den Wohnwagenpark
zu leiten, damit wir über die Einnahmen daraus verfügen konnten.
Es erinnert mich an die Schilderungen von Jack London, der auch viel Geld in seine Farm gesteckt hatte, sie aber nie rentable wurde…
Seite 220/221
Weitere Gründe für das Scheitern solcher Gemeinschaftsprojekte (ja, ja, der menschliche Faktor) …
Als die Besucher zahlreicher zum Vision Mountain zu strömen begannen,
gab es unter ihnen imemr noch eine Menge Hippie-Gestalten. Und obwohl
diese Leute auf ihre Weise wirklich Suchende waren, waren ihre
Vorstellungen doch von Drogenbejahung und manchmal von dem Wunsch, so
wenig wie möglcih zu arbeiten, geprägt. Deies Leute konnten wir
natürlich nicht bei uns behalten; wir hatten wahrend unserer Zeit am
Medizinfelsen genügend Erfahrungen mit ihnen gesammelt, und viele von
ihnen begriffen nicht, daß das Ausüben von Medizin nicht nur beten
bedeutete, sondern auch harte Arbeit beinhaltete. ...man wird
feststellen, daß es hier möglich ist, um sechs Uhr morggens
aufzustehen und den ganzen Tag über die Hände nicht in den Schoß zu
legen. [...] Sie brauchten einen Ort, an dem sie ihren Körper zur Ruhe
legen und ihren Gedanekn nachhängen konnten und wir verstehen unter
der Arbeit der Medizingesellschaft etwas völlig anderes.
Frieden, Liebe, Harmonie¶
Seite 196
Ich bin überzeugt, daß Gerechtigkeit geschehen muß und daß meine
Brüder und Schwestern in Wounded Knee einen heldenhaften Kampf
ausgetragen haben, aber ich glaube auch, daß jede Tag, die im Zorn
ausgeführt wird, sich schließlich als wirkungslos erweisen
muß. Frieden, Liebe, Harmonie mit der Mutter Erde, das sind die Dinge,
an die ich glaube. Und sie sind das Fundament meiner großen Vision ...
Wie soll man diese Einstellung, in der heutigen Zeit bewerten?
Der Redestab¶
Wir haben einen Ratskreis, in dem Entscheidungen getroffen werden, und
jedes Mitglied des Stammes hat das Recht, seine Meinung auszusprechen
und mitzuteilen. Um sicherzustellen, daß jeder zu Wort kommt, reichen
wie einen sogenannten »Redestab« herum. Das ist eine indianische
Tradition. Derjenige, der den Stab in Händen hält, hat das Recht, zu
reden, und alle anderen hören aufmerksam zu.
Den hätte ich mal für eine hitzige Diskussion benötigt. Kannte ich nicht, nur mit drei Regeln, die ich eilig an die Tafel schrieb, konnte ich die Gemüter beruhigen und eine sinnvolle Diskussion durchsetzen:
Es spricht immer nur einer
Er spricht nicht länger als 30-60 Sekunden
Alle hören gut zu, jeder kommt dran.
Danach konnten einige (nicht alle) Probleme gelöst werden. Meine damalige Chefin hatte mich wirklich ins kalte Wasser geworfen, weil ich von den Spannungen im Team nichts ahnte.
Das Medizinrad¶
Seite 230ff, hier wird das Medizinrad beschrieben. Im Kern wird der ewige Wandel thematisiert. Verknüpft werden Zeiträume mit Artefakten wie dem Mond, einer Farbe, einem Mineral, einer Pflanze, einem Tier und anderen Elementen. Der Autor grenzt sich aber von einem vergleichbaren System, den Horoskopen ab.
Zeremonien¶
Seite 288/289
In Verbindung mit Tanz, Musik, Gesang wird die positive Wirkung hervorgehoben.
Ich glaube, es waren die Zeremonien, die verhinderten, daß Indianer
die Couch des Psychiaters benötigten. Zeremonien, wenn sie richtig
verstanden und durchgeführt werden, geben nicht nur den anderen
Bereichen auf der Erde Kraft; sie heben auch viele der negativen
Gefühle der Menschen auf. Zeremonien können freudvolle Erfahrungen
sein, die Wut in positive Empfindungen, Kummer in Lebensfreude, Angst
in Lieber und Einsamkeit in Verbundenheit verwandeln.
Resümee¶
Es war eines der wenigen Bücher, die ich ein zweites mal gelesen habe. Vieles war mir nicht mehr im Gedächtnis geblieben, ist nun wieder gegenwärtig, und über einige Passagen werde ich wohl noch etwas nachdenken, vielleicht auch Schlüsse daraus ziehen. Wer sich für die »Philosophie« des Sun Bear interessiert, findet in Deutschland einen Verein, der die Ideen von Sun Bear lebendig hält.
Kraftplatz und Kreislauf des Lebens
1. Medizinradtreffen
2. bis 17. Mai 2026
Aitrach, Allgäu [3]
Bildqelle¶
Grafik aus Many Sokes, eine Publikation herausgegeben von Sun Bear u. a. Zugriff über das Archiv