Feinstaub in der Bibliothek

Gern besuche ich Bibliotheken, was ein wenig altmodisch ist, wo doch beinahe alles online zur Verfügung steht. Nur Insider wissen, das die digitalen Versionen das Blättern in einem Buch nicht ersetzen kann. Es ist eine andere Art zu lesen und über das Gelesene nachzudenken. Selbst die Suche nach einem geeigneten Buch entwickelt sich zu einer kleinen Expedition, die auf dem Weg zum Ziel auch überraschendes bereit halten kann.

Neben dem allgemeinen Leihangebot hat die Stadt-Bibliothek in Potsdam noch eine Besonderheit. Sie beherbergt den Nachlaß einer privaten Sammlung. Man kann die Bücher direkt lesen aber nicht ausleihen. Sie stammt von Walter Boehlich (1921 - 2006). Er war Literaturkritiker, Publizist und Übersetzer. Von 1957 bis 1968 war er (Chef)Lektor des Suhrkamp-Verlags.

Und so trat ich gern mal an die Regale und studiere die Buchrücken, um interessante Titel zu entdecken. Im Unterschied zu elektronischen Katalogen ist die Zufallssuche eine spannende Sache. Dabei viel mir auf, daß die Buchreihen doch recht angestaubt sind, denn die Bücher sind sicher nicht so gefragt, wie der Rest der Bibliothek und werden deshalb weniger bewegt. Es warf auch die Frage auf: »Wischt hier niemand Staub? Gibt es hier keinen Reinigungsdienst?«. Ich stelle die Frage an eine der Mitarbeiterinnen. Die prompte Antwort »Nein«. Ich im Scherz: »Dann werde ich das wohl selber machen müssen?«. Kurz und bündig erwidert sie meine Frage mit »Ja«. Ich hab dann erst mal ein wenig drüber nachgedacht und kalkuliert, wenn ich beim Staub wischen jedes Buch anfassen muß, entgeht mir keines der spannenden Bücher, die ich gern lesen würde, warum also nicht?

Nach Kontaktaufnahme war das Verfahren schnell klar und siehe da, ich bin nicht der einzige Heinzelmann, der unentgeltlich seinen Dienst in der Bibliothek und für die Allgemeinheit leistet! Warum ist dafür kein Geld vorhanden? Aber das ist eine andere Frage.

Nun ist bereits Halbzeit, von den Regalen ist die Hälfte vom Staub befreit. Wie spekuliert, habe ich einige interessante Titel gefunden und gelesen, andere stehen noch auf meiner Lese-ToDo-Liste.

So weit, so gut. Was mir wirklich zu denken gibt, der Staub in den Regalen und auf den Büchern. Es ist nicht der normale Staub, der sich in der eigenen Wohnung sammelt und regelmäßig eingesammelt, aufgewirbelt oder anderweitig behandelt wird. Es ist ein ziemlich fester schwarz-grauer Belag, der sich trocken kaum rückstandsfrei entfernen läßt. Die offenen Fenster an einer stark befahrenen Straße könnten die Erklärung dafür sein. Es ist Feinstaub, aus Reifenabrieb und/oder Resten von Bremsbelägen. Es wäre mal interessant, die Ergebnisse der Meßstationen in der Stadt, mit den Staubablagerungen in der Bibliothek in Beziehung zu setzen. Wer die Staubablagerungen in der Bibliothek gesehen hat, wird sicher ein Freund der Verkehrsarmen Innenstadt 🙂 … Schließlich muß jeder Potsdamer oder Besucher diese »Luft« einatmen und die negative Wirkung ist ja nun wirklich kein Geheimnis mehr. Aus meßtechnischen Gründen sollte ich vielleicht ein Regal unbehandelt lassen?

Leider sind die Meßstationen so aufgestellt, daß sie mit der Situation am Kananl nicht zu vergleichen sind. In der Zeppelinstraße hat man den Verkehr beruhigt und auf eine Fahrbahn pro Richtung reduziert, um die Belastung/Meßwerte gering zu halten. Die zweite Meßstation am Basinplatz kann auch nicht herangezogen werden, weil auch dort nur Schritt gefahren werden kann. Anders ist die Situation direkt an der Bibliothek, hier ist ein hohes Verkehrsaufkommen, zum Teil zweispurig. An der großen Kreuzung wird viel gebremst und beschleunigt. Das Ergebnis ist auf den Regalbrettern deutlich sicht- und ablesbar. Meine Empfehlung: Die Fenster nur an regnerischen Tagen öffnen. Ob das ausreichend ist? Besser wäre eine Vermeidung von unnötigen Straßenverkehr und die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs, der im Zentrum ausreichend zur Verfügung steht. Wie mit dem Durchgangsverkehr umgehen? Viele Fragen und kaum praktikable Lösungen.

Um sich ein besseres Bild von dem Ausmaß machen zu können, hab ich hier ein paar Fotodokumente im Angebot. Es macht nun schon einen kleinen Unterschied, ob man ein Buch aus einem gesäuberten oder einem verstaubten Regal nimmt. Noch ist Zeit den Vergleich zu machen. In einem halben Jahr werde ich dann wohl mein Ziel erreicht haben, die staubfreie Suche in einer interessanten Sammlung.

Ein Blick hinter die Kulissen (Bücher)

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Eine dicke Schicht Staub …

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Bücher abgelegt, wo sie nicht hingehören …

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Immer wieder der Tod eines Insekt (Staub oder Nahrungsmangel?)

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Noch ne Fliege …

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Zur Abwechslung mal ne Motte …

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Und noch eine …

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Oder eine Wespe …

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Wer ein Buch klauen will, muß natürlich die elektronische Sicherung entfernen und irgendwo deponieren!

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Wenn der Weg zum Papierkorb zu weit ist …

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Alter Falter …

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Da war wohl bei jemand die Schraube locker 🙂

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