Diesseits von Eden — Kamina
Wladimir Kaminer Diesseits von Eden Neues aus dem Garten Goldmann-Verlag 1. Auflage 2015
In der Buchtauschzentrale, in Caputh ist es eine umgebaute Telefonzelle, steht viel geistiger Schrott, doch manchmal findet sich ein Exemplar mit interessantem Inhalt. Dazu gehören auch die philosophischen Abhandlungen von Wladimir Kaminer, die ohne ein Augenzwinkern nicht denkbar wären.
Im konkreten Fall steht der Garten und mehr noch das Anglerglück im Mittelpunkt aller Handlungsstränge. Optimal ist es schon, ein geborener »Ossi« zu sein und ein wenig die russische Seele zu kennen, um die Gedanken und menschlichen Handlungen zu verstehen. Ein bestätigendes Schmunzeln läßt sich dann nicht unterdrücken. Es gibt aber auch allgemein gültige Erklärversuche, die jeder verstehen kann, nicht nur der Leser mit den oben genannten Voraussetzungen.
Zum Beispiel findet der Autor folgende Erklärung für das Zusammenrotten von Menschen, Behaarung und Reibung:
Leider geht nichts ohne Vergebung, weil wir Menschen aufeinander angewiesen sind. Wir sind früher immer in Gruppen herumgelaufen, eng aneinandergepresst. Nur so konnten wir uns vor dem Säbelzahntiger schützen und das Mammut erledigen. Deswegen haben die Menschen als einzige Lebewesen ihre Ganzkörperbehaarung verloren, deswegen haben sie auch solch eine übertriebene Sexualität, weil sie sich stets aneinander rieben und sich während der Eiszeit aneinander wärmten. Nicht umsonst versammeln wir uns auch so gerne in großen Mengen, sei es bei der Loveparade, beim Karneval oder einer Revolution.