Deutschland im Außnahmezustand

Ein Land der Ausnahmen

Pfandrückgabe verweigert, ein disfunktionales Recycling-System

Wie heißt es so schön: Keine Regel ohne Ausnahme. Nur in Deutschland wird es in beharrlicher Regelmäßigkeit und bis zum Exzess praktiziert.

Muss das sein? Schaun wir uns ein aktuelles Beispiel an. Über Jahrzehnte wurde ein ausgefeiltes Recycling- und Rücknahmesystem entwickelt, was den Steuerzahlern viel Energie und sicher auch Steuergeld kostet. Warum aber können sich diverse Gruppen und Konzerne über einen modernen Ablaßhandel von allgemein gültigen Regeln freikaufen? Wer verdient an dieser Ausnahmeritis?

Nun habe ich an drei Rücknahmeautomaten verschiedener Großhandelsketten versucht, die im Bild abgebildeten Dosen, dem Recycling zuzuführen, aber denkste: Keiner der Automaten war bereit, das Edelmetall für eine Metallaufarbeitung entgegenzunehmen.

Wie kann das sein? Getrunken hätte ich das süße Gift nicht und wäre darauf ein reguläres Pfand fällig, hätte ich es wahrscheinlich nicht in der Botanik aufsammeln müssen!

Wer bekommt hier also eine Ausnahmegenehmigung und warum?

Das ist nun nur ein Beispiel von vielen. Haben Sie mal notiert, wie viele Ausnahmen es auf der Steuererklärung gibt: Felder, die ein Normalsterblicher nie ausfüllen muß. Wo ist die berühmte Steuererklärung auf dem Bierdeckel? Ohne Ausnahmen sollte das möglich sein, aber der Amtsschimmel wird uns was husten!

Für die kopfschüttelnde Nachwelt, als Beleg, was hier in Deutschland so geht, Ausnahmen ohne Ende, ein schlanker Staat? Nie, solange nicht die große Revolte ausbricht... Es ist ein Jammer!

*Nachtrag: eine Polizeimeldung vom 07.06.2024

Friedrichshain-Kreuzberg

Gemeinsame Meldung Polizei und Staatsanwaltschaft Berlin Nr. 1204

Wegen strafbarer Markenrechtsverletzung durchsuchten Ermittlerinnen und Ermittler des Landeskriminalamtes Berlin gestern im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin zwei Lagerhallen in der Köpenicker Straße in Kreuzberg. Auch der Verdacht eines gewerbs-und bandenmäßigen Computerbetruges ist Gegenstand des Verfahrens. Ermittelt wird gegen einen 38 Jahre alten Geschäftsführer, der verdächtig ist, mit weiteren, noch unbekannten Personen seit 2019 in großem Umfang Pfandsiegel auf nicht pfandwerthaltigen Plastikflaschen anzubringen, um diese dann in einen Rückgabeautomaten einzuwerfen und so die Auszahlung des Pfandes zu erwirken. Durch dieses Vorgehen sollen er und etwaige Mittäter nach ersten Schätzungen pro Tag, an dem so vorgegangen wurde, bis zu 22.000 Euro unrechtmäßig erzielt haben.

Die Durchsuchung führte zum Auffinden des mutmaßlich genutzten Pfandautomaten, dessen Festplatte zur Beweissicherung ausgebaut wurde. Ferner wurden fünf große Plastiksäcke mit umetikettierten Pfandflaschen, diverse umgeklebte Pfandbons und Etiketten und Geschäftsunterlagen beschlagnahmt. Die Auswertung der Beweismittel und die weiteren Ermittlungen, insbesondere zu den mutmaßlichen Mittätern und zum Gesamtschaden, dauern an.

Quelle: Polizei Berlin

Was soll man dazu sagen? Wo eine Ausnahme ist, da ist auch ein Weg...